Die Entwicklung einer Orgel - vom Denkmal zum Unikat

von Heiner Meurs . Fotos: Alexander Schulte

Entscheidungen des Kirchenvorstands von St. Martinus in Swisttal-Ollheim

Zur Orgel in der Ollheimer Pfarrkirche St. Martinus geht aus der eher lückenhaften Archivlage eine intensive Befassung mit dem Instrument auf die Zeit von 1955 – 1963 hervor, nachvollziehbar an dem Schriftwechsel mit dem damaligen Orgelsachverständigen des Erzbistums, Herrn Kirchenmusikdirektor Prof. Hulverscheidt. Dieser Schriftwechsel ist dem Vorhaben einer zweiten Restaurierung der Orgel nach dem 2. Weltkrieg zu verdanken, durchgeführt von der Orgelbaufirma Klais, Bonn. Als Herkunftsort wird gem. diesen Unterlagen das 1803 säkularisierte Stift der Augustinerchorfrauen in Schillingskapellen angegeben, an neuzeitlichen Maßnahmen wird dort

Die Orgel an ihrem vormaligen Standort im Turmraum

eine Überarbeitung durch die Orgelbaufirma Kaes, Bonn im Jahre 1949 erwähnt. Nachfolgend hat die Fa. Schulte, Kürten Renovierungsmaßnahmen in nicht weiter bestimmbarem Umfang vorgenommen. Die Klassifizierung als König-Orgel jedoch datiert auf Gründonnerstag, den 21.04.2011 durch Herrn Dr. Hans-Wolfgang Theobald, Johannes Klais Orgelbau, Bonn. Die Ursprünge zur aktuellen Restaurierung sind auf Reparaturüberlegungen an der Orgel im Jahre 2007 zurück zu führen. Nachfolgend wird hier versucht, Ablauf und Aktualisierung von Beschlusslagen zu Reparatur- und Instandsetzungs-, zu Renovierungs- und Restaurierungsmaßnahmen und schließlich zu Aufstellung und Erweiterung chronologisch aufzulisten.

Das Dokument zum 1. Angebot der Fa. Orgelbau Klais, Dr. Hans-Wolfgang Theobald und Heiner Meurs (KV)

31.07.2007:

Beschluss des Kirchenvorstandes (KV) auf Stimmung der Orgel; Durchführung - unter Verweis auf die Restaurierungserfahrung mit dieser Orgel (1958-63): Fa. Orgelbau Johannes Klais, Bonn.

06.09.2007:

Erweiterungsbeschluss des KV auf Durchführung der Reparatur der Luftzufuhr - von dem seinerzeitigen SBKM des Kirchengemeindeverbandes Swisttal, Herrn Michael Bailer als notwendig angegeben.

Windanlage von 1964

12.03.2008:

Begehung der Orgel zusammen mit Herrn Bailer und Herrn Windelen, Fa. Orgelbau Klais. Feststellung: Aufgrund des hohen Originalbestandes, so der Prospekt und ein Großteil der Pfeifen, Einstufung als wertvoll.

Schleifenbahnen mit Flexkondukten

Maßnahmenkatalog: Auf Anregung von Herrn Bailer: Prüfung auf die Möglichkeit zur ebenerdigen Umstellung ins rechte Seitenschiff, Reinigung und Stimmung sowie Reparaturen an Pfeifenwerk, Manual und Pedal. Stabilisierung des Pfeifensatzes durch einen Rasterrahmen. Optional: Einbau einer Bass-Diskant-Teilung und Ersatz der Schalmey durch eine Trompet, alternativ: eine Cromorne (Waldhorn).

Willi Jerschabek am Spieltisch während der Restaurierung

12.05.2008

Entsprechende Beschlussfassung des KV, ergänzt um den Antrag auf Kostenbeteiligung durch das Erzbischöfliche Generalvikariat (EGV)

25.08.2008

Bestätigung durch das EGV, verbunden mit der Maßgabe, den zuständigen Erzbischöflichen Orgelsachverständigen, Herrn Adolf Fichter, Siegburg zu beauftragen

23.03.2009

Erörterung von Angebotsüberarbeitung (28.11.2008) und Gutachten (19.01.2009) unter bes. Berücksichtigung des denkmalwerten Anteils der Orgel

02.07.2009

Beschlussfassung zur Restaurierung der denkmalgeschützten Orgel auf Grundlage des Maßnahmenkatalogs.

Platz des Organisten nach Demontage der Klaviatur

17.11.2009

Bestätigung des EGV hinsichtlich der Durchführbarkeit der Restaurierung in vorgesehenem Umfang. Die kirchliche Baugenehmigung wird erteilt.

03.12.2009

Beschluss des KV auf Durchführung, „um mittels der Orgel eine Spielkultur zu ermöglichen, wie sie ihren – insbesondere auch historischen – Möglichkeiten zukommt.“ Zur Finanzierung aus Eigenmitteln Aufruf zur Spendenaktion.

14.01.2010

Beschluss zur Durchführung einer Haussammelaktion an den beiden nachfolgenden Samstagen, ergänzt um den Aufruf zu einer Spendenaktion. Im Ergebnis – der Anfang eines beispielhaften Eigenmittelaufkommens.

Schalmey und weiteres Pfeifenwerk vor dem Ausbau

22.04.2010

Haussammlung und Spenden mit dem Ergebnis, dass der Mittelaufwand aus Betriebsmitteln des Haushalts der Kirchengemeinde halbiert werden kann. Es ergeht Beschluss auf Auftragserteilung und Abschluss eines Werkvertrages.

30.11.2010

Benachrichtigung, dass die Fa. Orgelbau Klais mit den Arbeiten an der Orgel im April des Jahres 2011 beginnen kann.

21.04.2011

Vortermin zur Aufnahme der Restaurierungsmaßnahmen durch Herrn Dr. Hans-Wolfgang Theobald, Leiter der Restaurierungsabteilung der Fa. Orgelbau Klais. Ergebnis: Die Ollheimer Orgel ist ein bislang unbekanntes Werk des überregional bedeutsamen Orgelbauers Christian Ludwig König (1717 – 1789).

Viola di Gamba vor dem Ausbau

05.05.2011

Bestätigung dieser Festlegung in einem gemeinsamen Termin an der Orgel mit dem Orgelsachverständigen, Herrn Fichter und Herrn Dr. Theobald.

31.05.2011

KV-Sitzung zusammen mit Herrn Dr. Theobald in der Kirche. Einordnung von König-Orgeln als handwerkliche Meisterstücke mit schlichtweg gutem Klang. Ollheimer Orgel mit ihrem hohen Originalbestand in ihrer Bedeutung nicht überschätzbar, da von dem umfangreichen Œuvre Königs nur noch wenige Orgeln existieren. Es ergeht Beschluss auf Aussetzen der bereits aufgenommenen Arbeiten und Erstellen eines Restaurierungskonzepts.

Herr Fichter und Herr Dr. Theobald in Untersuchung der Schleifenteilung

19.10.2011

Auf Grundlage der amtlichen Einordnung, dass die Orgel historisch wie auch überregional bedeutsam und in ihrer Gesamtheit denkmalwürdig ist, ergeht Beschluss auf Umsetzung des durchkalkulierten Restaurierungskonzepts vom 02.09.2011. Eine Teilfinanzierung des Eigenmittelanteils soll über die Anrechnung der Spenden- und Fördergelder aus entsprechenden Zuwendungen erfolgen.

31.01.2012

Termin des KV mit Frau Dr. Gundula Lang, Amt für Denkmalpflege im Rheinland (ADR) und Frau Monika Kauert, Untere Denkmalbehörde (UDB). Bekundung des Einverständnisses mit dem vorgestellten Konzept, einschl. der geplanten Umstellung der Orgel ins rechte Seitenschiff.

...beim Nachweis, dass die Bass-Diskant Teilung bereits ein "verschüttetes" Werk von Christian König war

13.04.2012

Stellen von Förderanträgen u. a. bei „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“. Begründung: seltenes und herausragendes Zeugnis mit außerordentlich hohem Originalbestand für eine kunsthistorisch und handwerklich bedeutsame Leistung, insbesondere aber für die klanglichen Ideale der Barockzeit.

30.07.2012

Gutachten des Orgelsachverständigen, Herrn Adolf Fichter, mit der Einordnung als einzigartiges Instrument von überregionaler Bedeutung, Empfehlung auf Durchführung der vorgesehenen Maßnahmen

01.09.2012

Anmeldung zur Aufnahme in das Denkmalförderungsprogramm des Landes NRW durch die Bezirksregierung Köln.

29.10.2012

Beitrag von Herrn Dr. Theobald über die Ollheimer Orgel und die rheinische Orgelbauerfamilie Balthasar und Christian Ludwig König in „Denkmalpflege im Rheinland“ 29. Jg., 4/2012, S. 164-172

...und am Bauplan

22.01.2013

Antrag auf Zuwendung von Mitteln der Regionalen Kulturförderung des Landschaftsverbandes Rheinland

13.03.2013

Antrag beim Bundesminister für Kultur und Medien (BKM) auf Bundeszuwendung aus Mitteln des Denkmalschutz-Sonderprogramms IV

17.04.2013

Ablehnungsnachricht der „Deutsche Stiftung Denkmalschutz“

21.06.2013

Zuwendungsbescheid des Landes NRW auf Bewilligung von Mitteln der „Denkmalförderung“ über die Bezirksregierung Köln.

zusammen mit Herrn Meurs mit der Festellung, dass Christian Ludwig König eindeutig der Erbauer der Orgel ist

08.07.2013

Beschluss auf Durchführung der Restaurierung verbunden mit dem Genehmigungsantrag beim EGV. Finanzierung des Eigenanteils der Kirchengemeinde aus den Spenden und Haussammlungen, aus dem Erlös des Pfarrfestes und aus Mitteln der hierzu eingerichteten Rücklagen

14.07.2014

Pfarrfest im Gelände der Pfarrscheune mit der Bestimmung, den Erlös zugunsten der Orgelrestaurierung einzusetzen

25.07.2013

Nachricht über die Nichtberücksichtigung im Denkmalschutz-Sonderprogramm IV des BKM

25.09.2013

Anerkennung des EGV auf Durchführung der Restaurierung der Orgel in beantragtem Umfang in Verbindung mit entsprechender Erweiterung der kirchlichen Baugenehmigung

Vorstellung der König Orgel in der Kirche durch Herrn Dr. Theobald, Orgelbau Klais

30.10.2013

Zuwendungsbescheid des LVR „Regionale Kulturförderung des LVR 2014“ über die Zuweisung von Fördermitteln des LVR.

09.11.2013

Beschluss des KV, mit der Fa. Orgelbau Klais in Erweiterung des bestehenden Auftrages aus dem Jahre 2009, einen Vertrag zwecks Restaurierung der historischen Barockorgel von Christian Ludwig König von 1768 abzuschließen.

...und auf der Empore mit dem Signatur Nachweis, dass Christian König der Erbauer des Werks ist

04.12.2013

Auftrag des KV, die Auswirkungen des Lüftungsschachts in der Nähe des ebenerdigen Aufstellungsorts der Orgel auf mögliche nachteilige Auswirkungen zu überprüfen

16.12.2013

Annahme der angetragenen Schirmherrschaft durch Ilka Freifrau v. Boeselager MdL

Jürgen Reuter beim Abbau...

22.01.2014

Aufstellung der Gesamtfinanzierung durch das EGV unter Anerkennung der Anrechnung auf den Eigenmittelanteil aus Spenden und Haussammlungen

24.01.2014

Gemeinsames Treffen von Heiner Meurs, Dr. Hans-Wolfgang Theobald und neuer SBKM‘ Nicole Prinz zum Restaurierungskonzept der Orgel in der Kirche

29.01.2014

Festlegung des Festes der Wiedereinweihung auf das Patronatsfest am 09.11.2014, gestaltet in Form von Festhochamt und Festakt. Planung einer Festschrift mit Fotodokumentation von Herrn Alexander Schulte.

Formulierung von Bedenken bezgl. der ebenerdigen Aufstellung (Problematik infolge des unklaren Verlaufs der Luftheizungsschächte und des Beeinflussungsgrades durch Schachtöffnungen). Entscheidung zu entsprechender Rücksprache mit Herrn Dr. Theobald, Frau Dr. Lang (ADR) und Herrn Igelmund (EGV).

...und beim Prüfen der Prospektpfeifen (mit Wohlgefallen beobachtet von Hl.Cäcilia im Rosettenfenster des Kirchturms)

19.03.2014

Als Ergebnis vorgenannten Prüfauftrages wird die ebenerdige Aufstellung der Orgel zur Disposition gestellt. Beauftragung zw. Erstellung eines Alternativkonzepts an Herrn Dr. Theobald.

09.04.2014

In Annahme des erstellten Konzepts ergeht Beschluss auf Umstellung der Orgel als axial orientierte Emporenorgel unter Aufteilung in den brüstungsseitigen historischen Manualteil mit seitenspieliger Klaviatur und den turmseitigen Pedalteil. Auftrag zur Einholung statischer, bauaufsichts- und denkmalrechtlicher Erlaubnis bzw. zur Genehmigung durch Orgelsachverständigen und EGV

...und beim Ausbau von Innenpfeifen

07.05.2014

Nachforschungen im Archiv des Erzbistums mit dem Ergebnis, dass 1958 / 64 entgegen der seinerzeitigen Empfehlung zum Einbau von zwei Pedalregistern, Subbass 16‘ und Octavbass 8‘, nur ersteres zur Ausführung gekommen ist

14.05.2014

Beauftragung des KV an die Fa. Orgelbau Klais zur Abgabe eines Erweiterungsangebots um das zweite Pedalregister als Octavbass 8‘. Beschluss- und Finanzierungsvorlage beim EGV

...mit Flaut-4´-Pfeifen

06.06.2014

Eingang der bauaufsichtsrechtlichen Genehmigung (Rhein-Sieg-Kreis) zur Aufstellung auf der Empore

13.06.2014

Besichtigung der Orgel im Restaurierungsstatus in der Werkstatt Klais in Bonn.

27.06.2014

Einverständnis des Orgelsachverständigen, Herr Fichter zu Emporenaufstellung und Registererweiterung unter bes. Betonung der Gravitätsverstärkung des Pedalregisters durch einen Octavbass 8‘

Pfeifenfuß, mit Seitenbärten ramponiert und unsauber gelötet

02.07.2014

Anerkennung des EGV zu Finanzierung, Aufstellung und Erweiterung gem. Beschlussvorlagen des KV

01.08.2014

Eingang der Vorgabe des Ingenieurbüros Schwab & Lemke zur statischen Unterstützung der Orgelempore, eingearbeitet in die vorhandenen Scheinkonsolen

aufgearbeitet, nach der Restaurierung

13.08.2014

Denkmalrechtliche Erlaubnis zur Positionierung als Brüstungsorgel in Verbindung mit der Erweiterung um ein Octavbass 8‘-Pedalregister; Auftragsvergabe an Orgelbau Klais

08.09.2014

Anlieferung wichtiger Teile des „Innenlebens“ der Orgel; anschließend Zusammenbau der restaurierten Einzelteile in der Kirche

Manualtraktur (mit den atypischen Alu-Trakturen)

10.10.2014

Der 1. Ton wird gespielt

14.10.2014

Anlieferung der Pfeifen. Beginn der Intonationsarbeiten.

09.11.2014

Fest der Wiedereinweihung der Barockorgel von Christian Ludwig König