Grußworte

Liebe Gemeinde von St. Martinus in Ollheim

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof zu Köln

Rainer Maria Kardinal Woelki, Erzbischof zu Köln

Ein Erzbischof von Köln bekommt viele Anfragen, Grußworte zu schreiben zu zahlreichen begründeten Anlässen. In Ihrem Falle tue ich das besonders gerne, handelt es sich doch um einen fast 1000 Jahre bekannten Kirchort einerseits, andererseits um ein herausragendes Instrument, das zwar bereis vor 50 Jahren einmal restauriert wurde, bei dessen Restauration man damals jedoch noch nicht erkannte, welcher Schatz sich dahinter verbirgt: Es ist ein Instrument von Christian Ludwig König (1717-1789), einem der besten Orgelbauer seinerzeit aus der im Rheinland bedeutendsten Orgelbauerfamilie des 18. und 19. Jahrhunderts. Es dürfte auch ein Glücksfall sein, dass so viel von dem Instrument noch erhalten ist - trotz Restauration in den 1960er Jahren.

Bereits damals hatte man sich um die Restauration viele Gedanken gemacht und nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Und doch ist vieles nicht erkannt worden, insbesondere nicht, von wem das Instrument ist und wie viel davon wirklich noch original ist. erst im Zuge dieser neuen Restauration konnte dank der Mithilfe sehr engagierter Menschen aus Ihrer Gemeinde, der Orgelbaufirma Klais, dem Rheinischen Landesamt für Denkmalpflege und dem Erzbistum Köln ein solcher Schatz erkannt und adäquat restauriert werden.

Gleichzeitig führt uns die Restauration und der damit gewonnene Schatz vor Augen, wie sehr unser Leben auch im künstlerischen Bereich immer in Bewegung ist. Wir sind heute der festen Überzeugung, dass dieses Instrument nun optimal restauriert wurde. 1963 - 1965 wird man jedoch auch den gleichen Gedanken gehabt haben und es ist gut so, führt und doch all das die Vorläufigkeit unseres Tuns vor Augen.

Diese Orgel wird nun u.a. eingesetzt zur Begleitung der Gesänge in unserem Gotteslob. Auch dies ist neu und enthält zahlreiche alte Elemente, aber auch wieder entdeckte und ganz neu hinzugefügte, wie z.B. das zweite 16' Register im Pedal Ihrer restaurierten Orgel.

Die Konstitution über die Heilige Liturgie "Sacrosanctum Concilium" schreibt in Artikel 120: " Die Pfeifenorgel soll in der lateinischen Kirche als traditionelles Musikinstrument in hohen Ehren gehalten werden; denn ihr Klang vermag den Glanz der kirchlicher Zeremonien wunderbar zu steigern und die Herzen mächtig zu Gott und zum Himmel empor zu heben." Und in Artikel 64 der Instructio "Musicam Sacram" 1967 heißt es: "Durch Instrumentalbegleitung kann der Gesang gestützt, die Teilnahme erleichtert und die Gemeinschaft der Mitfeiernden vertieft werden. Der Klang der Instrumente darf jedoch die Singstimmen nicht überdecken, so dass das Erfassen des Textes erschwert würde."

In diesen beiden Zitaten wird die Bedeutung der Pfeifenorgel einerseits unterstrichen, aber auch der Bezug zum Gemeindegesang herausgestellt, So wünsche ich Ihnen mit dieser neuen Orgel offene Herzen und offene Ohren für das Singen und Musizieren, so dass die Herzen zu Gott hin geführt werden.

Festliche Einweihung der restaurierten Orgel in St. Martinus Ollheim

P. Stanislaus Friede, Leitender Pfarrer in Swisttal

In der Liturgiekonstitution „Sacrosanctum Concilium“ des 2. Vaticanums heißt es: Die Pfeifenorgel ist in hohen Ehren zu halten; denn sie vermag die Herzen der Menschen mächtig zu Gott und zum Himmel emporzuheben“ (SC 120).

Die Orgel ist ein die Sinne anregendes Musikinstrument: Augen- und Ohrenmenschen erleben den hörbaren Klang und die sichtbare Architektur, dem Spieler erschließt sich über den Tastsinn die Sensibilität der Mechanik. Gefühlsregungen wie Freude und Schmerz, Bitte und Dank lassen sich in Orgelmusik eher ausdrücken als in Worten. Unsagbares wird in Töne gefasst. Klänge von Orgeln können verzaubern, öffnen dem inneren Ohr Zugänge zu anderen Welten. Aus einer durch Gottesdienst mit ansprechendem Wort und Klang gefestigten Gemeinde kann seelische Kraft und Sensibilität erwachsen, sich äußeren Problemen zu öffnen; die Musik der Pfeifenorgel vermag dabei besonders als Mittler zwischen Gott und den Menschen zu dienen.

Im Oktober 1777 schrieb Mozart: „Die Orgel ist in meinen Augen und Ohren der König aller Instrumente.“ Die katholische Pfarrgemeinde St. Martinus in Ollheim ist in der glücklichen Lage, eine 246 Jahre alte Orgel zu haben, eine König-Orgel, die aber wegen ihres Alters restaurierungsbedürftig geworden war. Die Orgel hat nur dann einen Sinn, wenn man sie spielt, wenn sie klingt und man sie auch hören kann. So wirkt sie auf die Menschen ein und geht nicht spurlos an ihnen vorüber.

Die König-Orgel in Ollheim erklingt nun dank des Freundeskreises der Ollheimer König-Orgel und nach umfangreichen Restaurierungsarbeiten wieder für Gottesdienst und Konzerte. Sie bleibt auch für heute und morgen ein königliches, ein himmlisches Instrument. Sie wird weiterhin menschliche Schicksale begleiten.

Ich freue mich über alle, die mit ihrem Beitrag das große Werk ermöglicht haben und bewundere sie.

Liebe Mitglieder der Kirchengemeinde St. Martinus in Ollheim, liebe Swisttalerinnen und Swisttaler

Ilka Frfr. von Boeselager, MdL, Schirmherrin

Ilka Frfr. von Boeselager, MdL, Schirmherrin

wenn in Gedichten, in Aufsätzen oder in anderen Abhandlungen von der Orgelmusik gesprochen wird, dann fallen oft Worte, die über den Alltagshorizont hinaus deuten. „In den geistbeherrschten Takten dichten / Tausend Menschenträume sich zu Ende“, heißt es in einem Vers von Hermann Hesse. Für Peter Handke erzeugt der Klang des Instruments die „Vorstellung eines höheren Wesens“, das er sich anders nicht denken kann. Johann Gottfried Herder nennt Orgeln schlechthin „Wunderbaue“.

Die Ollheimer Orgel in Sankt Martinus, die wir in diesem Jahr 2014 wiedereinweihen, ist einmal mehr ein solcher „Wunderbau“. Seit Kurzem erst wissen wir, dass ihr Schöpfer in den Jahren 1767/1768 Christian Ludwig König war: der große Orgelbau-er des rheinischen Barock[s]. Seine Meisterschaft erklärt die besondere Würde des Instruments – und die außergewöhnliche Qualität, die den Bestand über beinah zweieinhalb Jahrhunderte hinaus gesichert hat. Von dem anfänglichen Standort, dem im Jahr 1802 aufgelösten Damenstift in Schillingskapellen, ist die Orgel im Jahr 1806 in die alte Ollheimer Pfarrkirche übernommen worden. Seit dem Jahr 1917 stand sie auf der Empore der neuen, heutigen Kirche Sankt Martinus. Nun, mit der Wiedereinweihung, rückt sie als Brüstungsorgel dort auch wieder hin. Infolge der jüngsten Restaurierungsarbeiten wird sie die überragende Ausdrucksfähigkeit, die das Instrument Orgel auszeichnet und die Mozart vom „König aller Instrumente“ hat schwärmen lassen, zu einem künftig noch gültigeren Klang bringen.

Ich denke, dass wir in Ollheim und in Swisttal allen Grund haben, stolz auf „unsere König-Orgel“ zu sein. Im fast originalen Gesamtzustand und mit den König-Prospektpfeifen, die deutschlandweit einmalig erhalten sind, ist sie wirklich ein majestätisches Instrument. Unterbrochen nur durch kleinere Zeiten der Einlagerung, hat dieses Instrument den Glauben und die Andacht über zwei Jahrhunderte hinweg beseelt – und wird ihn weiter beseelen.

In den Wechselfällen ihrer Geschichte ist die König-Orgel für unsere ganze Gemein-de zum kulturellen Monument geworden. Eine fast atemberaubende Gemeinschaftsarbeit hat genauere chronologische Zusammenhänge emporgehoben, nachdem jetzt die Zuordnung zu Christian Ludwig König bestätigt werden konnte. Verdient gemacht haben sich viele: die Ollheimer Kirchengemeinde Sankt Martinus und der Kirchen-vorstand um Heiner Meurs, Herr Dr. Hans-Wolfgang Theobald von der Bonner Orgelbaufirma Klais, Frau Dr. Gundula Lang von dem Amt für Denkmalpflege im Rheinland und zahlreiche andere. Daneben treten die Zuwendungsgeber: das Erzbistum, der Landschaftsverband Rheinland, die Bezirksregierung und – nicht zuletzt – viele Mitmenschen aus Ollheim und aus der ganzen Gemeinde Swisttal. Privat wurden rund 15.000 Euro für die jetzige Instandsetzung beigebracht.

Für dieses insgesamt großartige Engagement möchte auch ich mich herzlich bedanken. Ebenso bin ich für die Schirmherrschaft über die Restaurierung der Christian-Ludwig-König-Orgel dankbar, die mir die Katholische Kirchengemeinde Sankt Martinus angetragen hat. Diese habe ich sehr gerne übernommen. In wechselnden Ver-antwortungsgemeinschaften hat die Christian-Ludwig-König-Orgel viele Menschen aufeinander zugeführt. Über Generationen unserer Vorfahren hinweg hat sie sich als wirklicher „Wunderbau“ bewiesen, der es vermag, Trennungen aufzuheben und den Blick über den Alltagshorizont hinaus zu weiten. Die Wiedereinweihung legt den Eckstein, dass das auch künftig so geschieht. Ich wünsche dazu von Herzen alles Gute und Gottes Segen!

Sehr geehrte Damen und Herren,

Gisela Walsken, Regierungspräsidentin, Bezirksregierung Köln

Gisela Walsken, Regierungspräsidentin, Bezirksregierung Köln

wenn die St.-Martinus-Gemeinde in Swisttal-Ollheim in diesem Herbst ihre frisch restaurierte Orgel wieder in Besitz und in Gebrauch nimmt, ist damit ein Projekt gelungen, an dem viele Akteure mitgewirkt haben. Das Land Nordrhein Westfalen hat dazu einen finanziellen Beitrag geleistet, aber ohne den Einsatz so vieler Menschen aus der Gemeinde, der Region und dem Erzbistum und natürlich die handwerkliche Leistung der Fachleute aus dem Orgelbaubetrieb wäre dies nicht realisierbar gewesen.

Ich freue mich, dass die Mittel des auslaufenden Denkmalförderprogramms hier in Swisttal in die Wiederherstellung eines Instruments fließen konnten, das zum einen für die Kirchengemeinde einen hohen Rang besitzt, zum anderen aber auch eine besondere kulturhistorische Bedeutung hat. Mein Wunsch ist, dass die hier in Ollheim gepflegte Kultur die Region weiterhin bereichert. In diesem Sinne verbleibe ich mit den besten Wünschen für die feierliche Einweihung und wünsche Ihnen noch lange Freude an der Christian Ludwig König-Orgel.

Nicht nur Bücher, sondern auch Orgeln haben ihre Schicksale!

Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt

Milena Karabaic, LVR-Dezernentin Kultur und Umwelt

Nicht nur Bücher, sondern auch Orgeln haben ihre Schicksale! Dies gilt nicht zuletzt für die Orgel der Kirche von Swisttal-Ollheim, deren eigentlicher Wert mehr als 200 Jahre unentdeckt blieb.

Jüngste wissenschaftliche Forschungen haben eindeutig erwiesen, dass es sich bei der Orgel um ein Werk des bedeutenden Orgelbauers Christian Ludwig König (1717-1789) handelt, das ursprünglich für das Prämonstratenserinnenkloster Schillingskapellen bei Dünstekoven gebaut wurde. In Folge der Säkularisation gelangte die Orgel dann im Jahr 1806 in die alte Pfarrkirche von Ollheim. Seit 1917 steht sie in der neuen Kirche St. Martinus.

Ich freue mich sehr, dass der Landschaftsverband Rheinland im Rahmen seiner Regionalen Kulturförderung einen Beitrag zur Restaurierung dieses besonderen Instrumentes leisten konnte. Gerade in den vergangenen Jahren ist der Wert historischer Orgeln auch einer breiteren Öffentlichkeit bewusst geworden, und es darf als ein Glückfall bezeichnet werden, dass die Christian-König-Orgel in Ollheim in ihrer historischen Authentizität erhalten geblieben ist. Sie ist nicht nur kunst– und architekturhistorisch, sondern vor allem auch musikhistorisch von großer Bedeutung. Dies wurde ebenfalls durch ein Gutachten des LVR-Amtes für Denkmalpflege im Rheinland bestätigt.

Ich gratuliere allen Beteiligten zur gelungenen Restaurierung und Wiederherstellung dieser „Königin der Instrumente“, dieses wirklich historischen Schatzes“. Möge sie noch lange in Gottesdiensten und Konzerten zur Freude der Menschen erklingen.

"Die orgl ist doch in meinen augen und ohren der könig aller instrumente",

Sebastian Schuster, Landrat

Sebastian Schuster, Landrat

soll Wolfgang Amadeus Mozart 1777 an seinen Vater geschrieben haben. Und dieser König aller Instrumente wird heute in der Pfarrkirche Sankt Martinus in Swisttal-Ollheim feierlich wieder eingeweiht. Eine notwendige Reparatur brachte es ans Licht: Die Orgel stammt von dem prominenten Orgelbauer des rheinischen Barock, Christian Ludwig König!

Als Landrat des Rhein-Sieg-Kreises freut es mich ganz besonders, dass es gelungen ist diese seltene Orgel fachgerecht zu restaurieren und zu erhalten. Zu verdanken ist dies nicht nur der Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland.

Ein ganz besonderer Dank gilt den Mitgliedern der Kirchengemeinde Sankt Martinus, die sich unermüdlich und mit hohem Engagement für die Erhaltung „ihrer“ Orgel eingesetzt haben. Zu Recht findet die Ollheimer Christian Ludwig König-Orgel in diesem Jahr auch einen Platz im Jahrbuch des Rhein-Sieg-Kreises, dessen Motto „Da ist Musik drin“ nicht besser zur heutigen Wiedereinweihung passen könnte.

Kein Instrument ermöglicht es dem Künstler, so viele Töne und Zwischentöne zu erzeugen, wie die Orgel. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen allen, dass Sie oft die Gelegenheit finden, hier in der Sankt Martinus Pfarrkirche der wunderbaren Orgel zu lauschen.