Nachlese Konzert vom 11. November 2018

„Ohne Kultur ist unser Leben nichts“

Konzert zum Martinstag in der Pfarrkirche Ollheim

Trotz Karnevalsauftakt und trotz schlechtem Wetter war die Pfarrkirche St. Martinus in Ollheim mehr als gut besucht, bei einem weiteren Konzert in der Konzertreihe „Orgelkultur Sonntags um 5“ am Namenstag von Pfarrei und Kirche, gleichzeitig zum 250. Geburtstag der Christian Ludwig König-Orgel, die bekanntlich aus Schillingsapellen vor gut 200 Jahren nach Ollheim gekommen ist. Als Vertreterin der heutigen Rechtsnachfolger begrüßte Ilka Frfr. v. Boeselager die Gäste und hob auf die lange Tradition des Martinsfestes ab, die bereits kurz nach dem Tod (397) dieses bedeutenden Bischofs von Tours begann und bis heute als Lichterfest fortdauert.

Der Mentor der Konzertreihe, Heiner Meurs, hatte im Namen der Pfarrei den Mäd-chenchor des Kölner Doms unter Leitung von Domkantor Oliver Sperling, Domorganist Winfried Bönig und als Vertreter des Erzbistums den leitenden Pfarrer der Kölner Innenstadtgemeinden, Domkapitular Dominik Meiering eingeladen. Und die Besucher erlebten einen phantastischen, in allen Belangen überzeugenden Abend in der festlich geschmückten Kirche.

Die 19 jungen Damen zeigten ihr Können mit makellos gesungener Chormusik für gleiche Stimmen aus alter und neuer Zeit, durchwegs mit großer Disziplin vorgetragen. Sie begannen auf der Orgelempore, unsichtbar hinter dem barocken Orgelgehäuse mit dem bekannten „Hebe deine Augen auf“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy so, oder ähnlich, wie vermutlich auch die Nonnen in ihrer Stiftskirche gesungen ha-ben und zogen dann mit dem gregorianischen Hymnus „Tria sunt munera“ ein.

Die Bandbreite der mitgebrachten Musik stammte aus alter und neuer Zeit, wobei nicht zuletzt die neue Musik besonders emotional und stimmig wirkte. Dabei stellten die englische Chormusik von Colin Mawby und Christopher Tambling sowie Motetten von den aus Norwegen stammenden Komponisten Egil Hovland und Ola Gjeilo be-sondere Herausforderungen dar, die unglaublich sauber intoniert wurden. Viel Freu-de beim Zuhören machten auch die aus dem 19.-20. Jahrhundert stammenden Mo-tetten und Psalmen von Arnold Mendelssohn und Guiseppe Verdi und die „Missa piccola“ des Chorleiters.

Dominik Meiering, Theologe und Kunsthistoriker stellte in Umsetzung dieser Proveni-enz den Kulturauftrag der Kirche in den Mittelpunkt seines Vortrags und fragte, was denn für uns heute übrigbliebe, wenn wir die große Kulturleistung, die aus dem Glauben heraus in der Kirche und durch die Gläubigen geleistet wurde, wegstreichen würden. Aber – Kultur sei heute genauso entscheidend wie früher, nur glaubten wir manchmal, man könne – im Großen wie im Kleinen – auf sie verzichten, wenn z. B. mal wieder die Mittel knapp würden. Aber gerade Kultur, die der Kirche ebenso und wie die unserer Gesellschaft, sei immens wichtig und sei eben nicht beliebige Manöv-riermasse. Ihre Bedeutung sollte uns allen, jedem einzelnen und der ganzen Gesell-schaft immer im Bewusstsein bleiben.

Winfried Bönig stellte auf der König-Orgel Orgelwerke vor, die vermutlich noch nie auf der Orgel gespielt wurden, aber schon zur Klosterzeit hätten gespielt werden können – etwa ein Andante von Josef Haydn und ein Cantabile des oberschwäbi-schen Komponisten Justin Heinrich Knecht – Stücke, bei denen die angenehmen, zarten Stimmen der Orgel vorgestellt wurden. Dagegen durfte die wunderbare Orgel aus der Barockzeit bei der anonymen Sonate eines Augsburger Komponisten richtig loslegen und zeigen, wieviel Kraft und Eleganz in dieser Orgel von 1768 steckt, die durchaus auch von der Größe französischer Orgeln inspiriert ist. Jedenfalls war es eine Freude, die Lust des Domorganisten zu hören, dieses Instrument zu spielen.

Der wunderschöne Konzertabend klang aus mit dem gregorianischen Marien-Hymnus „Salve regina“: für alle, die da waren, und von allen gesungen – vielleicht der emotionale Höhepunkt des Abends, bei dem man die Kraft und die Ausstrahlung von Kultur spüren durfte.

Und so können wir uns auf das nächste Konzert am 17. November 2019 freuen, ei-nem Doppel-Orgel-Konzert mit Ute Gremmel-Geuchen und Léon Berben, bevor am 12. Januar 2020 der Speyerer Domorganist Markus Eichenlaub zu Gast in Ollheim ist und dort zum Auftakt der Beethovenfestspiele des Rhein-Sieg-Kreises aufspielen wird.

Hans-Wolfgang Theobald