Konzert am 8. Januar 2017 Nachlese

Zum 1. Jahreskonzert 2017 in der erfolgreich aufgelegten Reihe „Orgelkultur Sonntags um 5“ hatten die Pfarrgemeinde St. Martinus und die Evangelische Kirchengemeinde Swisttal zu einem Orgel-Sopran-Konzert im Zeichen der Ökumene nach Swisttal-Ollheim eingeladen. Zu diesem Auftaktkonzert des Jahres 2017 hatten Markus Belmann, Kantor an der Düsseldorfer Maxkirche und leitender Kirchenmusiker in der Düsseldorfer City, und seine Ehefrau, die Sopranistin Stefanie Brijoux, ein Begeisterung weckendes Konzert gegeben. Nicht nur dass Markus Belmann eine ebenso feinfühlige wie ausgemacht kenntnisreiche Spielkultur offerierte – er machte auch seine Fähigkeit deutlich, größere Werke, wie z.B. CPE Bachs Sonate F-Dur (Wq 70, Nr. 3) in einer Weise zu Gehör zu bringen, die die vergleichsweise geringe Größe dieser Orgel vergessen ließ.

Besonders bemerkenswert aber der klare Sopran von Stefanie Brijoux: Geprägt von einem wohlausgeprägten Timbre gelang es ihr eine Stimmkoloratur zum Ausdruck zu bringen, die das Konzert zu einem Erlebnis werden ließ. Das stimmige Zusammenspiel zwischen dem Solisten-Ehepaar machte die Unbilden der Natur vergessen, die infolge eines temporären Heizungsproblems auch diesen Kirchenraum nicht verschont hatten.

Dass dieses Konzert in Bezug zum Reformationsereignis stand, machten die jung ordinierte Pfarrerin Franziska Hageloch und Pastor Michael Eschweiler am Sonntag „Taufe des Herrn“ deutlich. Pfarrerin Hageloch rückte die Sicht auf die „zwei Seiten der Natur von Wasser“ ins Zentrum ihrer Betrachtungen: Denn durch die Taufe mit Wasser werde bewusst, dass der Menschen Bestandteil der irdischen Wirklichkeit ist – einer Wirklichkeit mit ihren jeweils zwei Seiten von Glück und Unglück, von Lebens- und von Zerstörungskraft, von Anfang und Ende, aber auch von „Gottes Geist, der über den Wassern schwebt“ (Gen 1,2). Pastor Michael Eschweiler stellte heraus, dass die Christen über das Sakrament der Taufe sowohl untereinander wie auch mit Christus, dem Herrn verbunden sind. Aus diesem Gottesbezug formulierte er als Quintessenz, dass wir Christen nicht zu den „letzten Mohikanern“ zählten, sondern dass wir die „Speerspitze Gottes in dieser Welt“ seien.

Die Swisttaler Bürgermeisterin Petra Kalkbrenner hatte die Einladung von „Herzen gern“ angenommen, die Interpreten und Freunde von „Orgelkultur Sonntags um 5“ zu begrüßen. Sie stellte dabei heraus, dass Ereignisse diesen Rangs nicht nur Begeisterung für Kultur zu wecken vermögen, sondern dass ihnen auch eine integrative Komponente von kaum abschätzbarem Ausmaß zukomme, deutlich erkennbar an dem Zusammenwirken beider Konfessionen zu diesem Ereignis. Sie dankte den Veranstaltern beider Kirchen und wünschte zum Konzert wie auch für die weiteren Aktivitäten ein gutes Gelingen. Die zahlreichen Besucher freuten sich jedenfalls über den ansprechenden Abend und bestätigten das große Engagement von St. Martinus in Ollheim.

Insgesamt eine Programmdramaturgie, die Bekanntes, wie Telemanns „Lauter Wonne, lauter Freude“ (TWV 1:1040) im 250. Jahr seines Geburtstags (im Ggs. zur Einweihungsfeier der Elbphilharmonie!) und weniger Bekanntes zu einem spannenden Ganzen zu verbinden wusste; wie etwa das gregorianische „Stirps Jesse florigeram“ in Verbindung mit Guillaume Dufay’s Hymnus „Hostis Herodes Impium“, so dass Dufay‘s Bedeutung für die Musikentwicklung in der frühen Renaissance geradezu hörbar war; oder von Paul Hindemith das traumhaft schöne und ebenso auch vorgetragene „Geburt Christi“ aus R.M. Rilkes „Das Marienleben“. Und - Pachelbels „Giaccona in F“ bzw. Sweelincks „Ballo del Granduca“ wurden in einer Weise vorgestellt, dass längst vergangene Welten aufzuerstehen vermochten. Heinrich Schütz‘ „Fürchtet euch nicht“ und JS Bachs „Christ unser Herr zum Jordan kam“ konnten, aufgrund der Professionalität im Vortrag, nahe bringen, was Pastor Eschweiler und Pfarrerin Hageloch vermittelt hatten. Jedenfalls – bestens vorbereitet und mit Herzblut musiziert. Begeisterung allenthalben.

Am 07. Mai 2017 steht als nächstes Konzert in der Reihe „Orgelkultur Sonntags um 5“ ein Konzert mit Orgel und Violine an. Als Jubiläumskonzert ist es in Bezug zum 300. Geburtstag Christian Ludwig Königs gestellt.